Probleme, die mich beschäftigen

26. Jul, 2016

 

In meinem Beitrag vom 2. September 2015 habe ich mich sehr ausführlich kontrovers zum Thema Doping geäußert. Leider ist ausgerechnet unmittelbar vor Beginn der Olympiade eine neue Dimension ins Spiel gekommen, wodurch viele russische Sportler – insbesondere alle Leichtathleten- um die Früchte ihres jahrelangen Trainings gebracht werden, weil sie gesperrt wurden oder noch werden. Der unermüdlich Hajo Seppelt hat sich wieder einmal seine Brötchen bei der ARD verdient und ziemlich einseitig in eine Richtung forschend  ein Filmwerk erstellt, das angeblich unwiderlegbar nachweist, wie das russische Sportministerium mit Unterstützung des Geheimdienstes, systematisch Dopingproben verschwinden ließ oder verfälschte. In einem Ausmaß, welches an das einstige Staatsdoping in der DDR erinnert. Das ist sicher verdammenswert und gehört mehr in die Rubrik Mafia-Methoden. Zudem ist eine derartig kriminelle Handlungsweise sehr ungeschickte, denn irgendwann müssen solche Vergehen unweigerlich ruchbar werden. Soweit so schlecht, allerdings haben vorsichtig geschätzt auch auf dieser Olympiade in Rio  vermutlich mindestens 50 Prozent der Athleten aus allen fünf Kontinenten in irgendeiner Form leistungssteigernde Mittel zu sich genommen. Nicht einmal alle deutschen Sportler dürften trotz des besonders strengen Kontrollsystems  sauber sein. Warum hat aber ausgerechnet Russland sich solcher illegalen Methoden bedient? Ein führender Sportfunktionär, der nicht für den Ausschluss der gesamten russischen Mannschaft plädiert, gibt folgende knappe einleuchtende Erklärung, der ich nichts hinzuzusetzen habe:                                                                                                                                        

Der russische Sport dürfte beim Rühren in den Doping-Hexenkesseln, um es wieder etwas frivol zu sagen, ein ähnliches Problem haben wie in der Wirtschaft: Ein technologischer Rückstand, der seit den späten 1980er Jahren immer grösser wird und mit zum Untergang der Sowjetunion beigetragen hat. Die Druiden der westlichen Sportmedizin sind besser. Und so wird beim Bemühen, diesen Rückstand aufzuholen, zu jenen unkonventionellen Mitteln gegriffen (Betrug, Korruption), die Russland heute auch in anderen Lebensbereichen schwer zu schaffen machen. Wladimir Karpow* sagt es so: «Der Sport ist in Russland keine Insel der Seligen. Der Sport hat die gleichen Probleme wie die anderen Bereiche der Gesellschaft auch.»  

 Auch nach dieser neuen Enthüllungskampagne, stehe ich voll zu meinen Ausführungen vom vorigen Jahr:  Ärztlich kontrolliertes Doping zulassen oder Leistungssport, wo nur Medaillen und Finalsiege in Großereignissen zählen, abschaffen und auf hohe Einschaltquoten im Fernsehen verzichten. Begründung dazu in meiner detaillierten Analyse vom 2. September 2015.

Ich würde gern mit Euch darüber diskutieren und bitte um möglichst viele Zuschriften unter "Diskussion zum Blog",  von mir beantwortet werden 

 

 

2. Sep, 2015

Ich bin es aus tiefster Seele leid, bei hohe Quoten bringenden Fernsehübertragungen von sportlichen Weltmeisterschaften nur noch diese verlogenen Dopinglitaneien anhören zu müssen.Wären Medien und Politik wirklich ernsthafte Gegner dieser leistungsfördernden Manipulation, müsste Leistungssport nicht mehr finanziell staatlich gefördert  bzw. nicht mehr darüber berichtet werden. Geht doch in der kapitalistischen Leistungsgesellshaft auch im Alltag des Normalbürgers und erst recht nicht bei Spitzenpolitikern und Topmanagern kaum noch etwas ohne derartige Stimulanzen.

Seit der Homo sapiens seine Kräfte im Wettkampf misst, hat es unzweifelhaft in allen Epochen Doping gegeben. Märchen spiegeln in verschlüsselter Form diese Realität wider. Zaubertränke, Tannkappen, welche die Kräfte vervielfachen oder andere Wundermittel sind unzweifelhaft lediglich eine Umschreibung für Doping. Das lässt sich durch markante Beispiele beweisen:

Dopen hat eine Jahrtausende alte Tradition. Wie überliefert auch bei Olympia. Schon die gefeierten Athleten in der Antike griffen zu leistungssteigernden Mitteln wie Stierhoden und Stierblut über Alkohol bis hin zur Alraunwurzel. (Atropin). Die Berserker der nordischen Mythologie sollen aus dem Pilz Amarita Muscaria (Fliegenpilz) die Droge Bufotenin gewonnen haben,welche angeblich die Steigerung der Kampfeskraft um ein Vielfaches bewirkte. Die Ägypter, Griechen und Römer bauten Mohn an und verwendeten Opium. Den Chinesen war Cannabis bekannt.

Im mittelalterlichen Südamerika war der Gebrauch von Kokain, in der Wirkung ähnlich wie Amphetamine, weit verbereitet. Die Inkas steigerten ihre Leistungen im Laufen mit Matetee und Kaffee. Der Legende nach sollen sie durch den Verzehr von Kokablättern die 1750 Kilometer von ihrer Hauptstadt Cuzco nach Quito (Ekuador) in fünf Tagen bewältigt haben. 350 Kilometer an einem Tag, das schafft allerdings selbst der beste Iron-Man Triathlet nicht.

In der Neuzeit existiert ein " Tarahumara" (Läufer) genannter Stamm der Uto-Azteken in der Sierra Madre im Norden Mexikos. Dort nimmt man noch heute bei bis zu 560 Kilometern langen Läufen, die bis zu 72 Stunden dauern, eine dem Strychnin ähnliche Substanz ein, die aus der Wurzel einer Kakteenart stammt. Damit können die Langstreckenläufer Ermüdungserscheinungen gut überwinden.Dem Athleten wird von seinem Betreuer eine Trinkflasche (Schnelle Pulle)gereicht, deren Inhalt aus Mischungen auf Koffeinbasis oder einem Mix aus alkoholhaltigen Getränken besteht. Bisweilen befinden sich darin auch ätherhaltige Zuckerstücke und Nitroglitzerin, auf dessen gefäßerweiternde Wirkung besonders Sprinter setzen.

Heutzutage sind auch im Alltag des normalen Durchschnittsbürgers Dopingmittel nicht mehr wegzudenken. Ob Männlein oder Weiblein aus den verschiedensten Motiven. Bedenklicherweise stehen unsere Politiker, die sich über sogenannten Betrug im Leistungssport empört entrüsten, dabei nicht abseits. Während aber jedermann in der Gesellschaft ungestraft fast alles schlucken darf, kann dem Spitzenathleten schon der falsche Hustensaft zum Verhängnis werden. Über folgende geflüsterte Frage könnte man ein ganzes Buch schreiben: „ pst, Sie! Heute schon gedopt?“                                                                  

So warnt etwa Klaus Lieb, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Mainz: „In unserer Leistungsgesellschaft haben wir heute nicht nur mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, wir stehen auch unter permanentem Druck, und die Angst vor dem Scheitern wächst. Wer mit chemischen Hilfsmitteln gegensteuert, gerät leicht in eine Suchtspirale." Das provoziert zwangsläufig die Frage:         „Wie wird sich Doping in unserem Alltag weiter ausbreiten – und wo sind die Grenzen, Körper und Geist immer wieder über die Grenzen der Leistungsfähigkeit zu treiben“                                                                                                                                            

Laut einer aktuellen Studie der Universität Mainz sind Studenten besonders freizügig. Jeder Vierte greift im Prüfungsstress zu Leistungsboostern wie hoch dosierten Koffeinpräparaten – Männer häufiger als Frauen, Sportstudenten häufiger als Geisteswissenschaftler. Auch Businessvielflieger bevorzugen die Reiseapotheke mit Sonderausstattung. Frauen helfen dagegen eher der Schönheit nach (High-End-Ampullenkur, Botox), Männer machen die Lance-Armstrong-Nummer. Laut einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts nimmt jeder vierte männliche Fitnessstudiogänger Mittelchen zum Muskelaufbau, etwa Kreatin. Im Bett vertrauen eher Männer den chemischen Lustboostern – aber auch, weil eine überzeugende Lustpille für die Frau noch immer nicht erfunden ist.

 Die Sportwelt und Millionen (zumeist passiver) Sportfans wollen Siege und (wenn möglich) ständig neue Rekorde sehen. Dafür locken Millionen an Gehältern und Prämien, vor allem aber lukrative Werbeeinnahmen. Die Sponsoren ihrerseits hoffen auf weiter wachsenden Konsum und steigende Gewinne, was wiederum sowohl den Aktionären als auch den Finanzministern nur recht sein kann. Dabei läuft hier ein albernes Spiel ab: Ein Mitarbeiter der größten Doping-„Küche“ (in der Nähe Wiens) erklärte vor Kurzem grinsend: „Natürlich wird in nahezu allen Sportarten gedopt, sonst wären die heute geforderten Leistungen völlig unmöglich. Wir müssen bei unseren Mixturen immer neue Wege gehen und sind dabei den Kontrolleuren immer zwei bis fünf Jahre voraus.

Was ist denn der Unterschied, ob sich ein Sportler mit EPO oder Eigenblutdoping zu höheren Leistungen manipuliert, oder sich Banker, Manager und Politiker mit Kokain, Alkohol oder Tabletten dopen? Die jeweiligen „Kollegen“ wissen ganz genau, was „läuft“, und keiner würde es wagen, den Konkurrenten dafür hinzuhängen. Nur wer es übertreibt, wer allzu offensichtlich unbotmäßig ins Rampenlicht drängt (oder sich einfach als zu blöde erweist), wird ausgegrenzt, öffentlich „geoutet“ und zum „Abschuss“ freigegeben.                                                                                                    Ist dieser Boom zur leistungssteigernden Pille, der in Zukunft im gesteigerten Maße normal sein dürfte, den bestehenden Gesetzen nach vollkommen legal? Es gibt eine große Grauzone. Vor allem im Internet floriert der freie Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten: Präparate gegen Alzheimer, Parkinson und Narkolepsie setzen Dopamin im Körper frei, bei Gesunden wird dadurch die Hirnfunktion beschleunigt. Auch das Anti-Zappel-Medikament Ritalin wirkt leistungssteigernd. 

So betrachtet wird Doping im Spitzensport erst recht nicht aufhören und zu verhindern sein. Umso weniger, weil in den meisten Ländern, die Kontrollen sehr nachlässig gehandhabt werden, denn man will seine athletischen Nationalhelden nicht wirklich erwischen. Da es zudem um sehr viel Geld geht, sind die Macher in geheimen Laboren den täppischen Bemühungen der Wada (World Anti- Doping Agency) stets um mindestens zwei  Schritte voraus. Vermutlich dürften in den Massen anlockenden Sportarten mindestens 50% aller Aktiven unterschiedliche leistungsfördernde Mittel verabreicht werden. Erwischt werden nur die Dummen. Ein noch größerer Unsinn ist es, Blutbanken anzulegen, um dann nach 20 Jahren Titel abzuerkennen und Medaillen nachträglich Nächstplatzierten zu verleihen. Das interessiert vermutlich kein Schwein,und der solchermaßen Beglückte dürfte darüber mehr Ärger als Freude verspüren.

Ergo will man nicht auf riesige Einschaltquoten versprechende sportliche Wettbewerbe der heutigen Gladiatoren verzichten und den Athleten trotzdem faire Auseinandersetzungsmöglichkeiten bieten, dann gibt es eigentlich nur eine Lösung:  Das Doping wird unter ärztlicher Kontrolle legal erlaubt!!!

                                                                                      

Unter Beachtung einiger wichtiger Spielregeln:

 

  1. Nur für Erwachsene, die es freiwillig tun und für sich selbst verantwortlich sind.
  2. Heimliches Verabreichen von Doping ohne Wissen und Zustimmung des betroffenen Sportlers ist strafbar.
  3. Minderjährige sind davon ausgenommen. Gegen derartigen Missbrauch werden strikte Kontrollmaßnahmen beibehalten und dagegen verstoßende Funktionäre gesetzlich zu hohen Haftstrafen wegen Körperverletzung verurteilt.                                                                                                

 Ein Vorschlag, der von Experten detaillierter ausgearbeitet und verwirklicht werden könnte. Allerdings wird das vermutlich nie passieren, sondern ein Sturm der Entrüstung ausbrechen. In zahlreichen Internetforen, die sich mit diesem wieder angeheizten Thema befassen, geifern am stärksten Zeitgenossen, denen jegliche sportliche Betätigung fremd sein dürfte, meinen solche Laien doch, der Leistungssportler brauche sich nur eine Pille einzuwerfen oder sein Blut zu manipulieren und dann würde er Spitzenleistungen vollbringen. Zaubermittel, die das bewirken, existieren tatsächlich nur in Märchen. In der rauen Praxis hilft Doping in erster Linie, das unmenschlich harte Training durchzustehen, um die Normen zu erfüllen, welche den Athleten von Funktionären und Förderungsmittel bewilligenden Politikern abgefordert werden.                                                                                         Hervorgetan als Dopingjäger haben sich der Sportjournalist Hajo Seppelt und der Professor für Zell-und Molekularbiologie Werner Wilhelm Franke. Die Liste ihrer Verdienste, aber auch ihrer Prozesse ist lang. Aktiven Sport haben aber offensichtlich beide nicht betrieben, zumindest konnte ich im Internet keinerlei Hinweise darauf finden. Während Hajo Seppelt wenigstens einige Semester Sport ohne Abschluss studiert hat und bis 2006 Reporter für Schwimmübertragungen bei der ARD gewesen ist, erweckt der schon 1940 geborene Professor auf mich den Eindruck, Sport regelrecht zu hassen. Immerhin ist er mit der früheren guten DDR-Diskuswerferin und Kugelstoßerin Brigitte Berendonk verheiratet. Laut offizieller Lesart half er ihr bei der Beschaffung von Quellen für das 1991 veröffentlichte Buch „ Doping-Dokumente“, in dem sie das langjährige systematische Doping im Leistungssport der DDR aufdeckt.

 Ich kann und will mir nicht anmaßen, das Wirken der beiden Antidopingapostel zu bewerten, weil ich wenig Lust verspüre, mich intensiv damit zu befassen. Persönlich nehme ich kaum eine Kopfschmerztablette. Das sollten aber die Sportler tun, welche leistungsfördernde Stimulanzen benutzen, um abschätzen zu können, ob sie mögliche gesundheitliche Risiken tragen wollen. Da jedoch in der gesellschaftlichen Konstellation freier kapitalistischer Marktwirtschaft sich trotzdem kaum etwas ändern wird, formuliere ich abschließend nochmals meinen provozierenden Lösungsvorschlag: 

Doping unter Kontrolle wird legal!                                                                              

Sicherlich würden so die gefährlichsten Auswüchse gemildert oder gar vermieden werden und ich müsste nicht bei jeder überragenden Leistung mit Verdächtigungen genervt werden.

                                                                     

 

 

 

                                

 

19. Aug, 2015

 

Proteome, Mikrobiom, Googleom

Die spannende Frage ist, wie und wieso wir altern. Welche Vorgänge in den Zellen führen dazu, dass wir sterben? Verschiedene Theorien konkurrieren miteinander. Nimmt die DNA in unseren Zellen im Laufe des Lebens so großen Schaden, dass die Reparaturmechanismen irgendwann nicht mehr nachkommen? Nach dieser Theorie führen Schäden zu Krankheiten - und diese zum Tod.

Oder sind doch die Telomere schuld an unseren Abnutzungserscheinungen? So bezeichnen Naturwissenschaftler die Enden der Chromosomen, die immer kürzer werden, je häufiger eine Zelle sich geteilt hat. Sind sie zu kurz, teilt die Zelle sich nicht mehr - Ende.

 

Bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, wieso Menschen altern und überhaupt sterben müssen, könnten Levinson - er hat in Biochemie promoviert, seine wissenschaftliche Arbeit ist vielfach ausgezeichnet worden - und Google sich tatsächlich einmalig ergänzen. Gelingt es, ein fähiges Team zu begeistern, das Zugriff auf das Rechen-Know-how und die Serverkapazitäten von Google hat, könnte das die Entschlüsselung des menschlichen Proteoms - der menschlichen Eiweiße - ebenso vorantreiben wie die Erforschung des Mikrobioms, also all jenen Organismen, die auf oder im Menschen leben. Beide Projekte werden schon jetzt betrieben, Calico könnte ein neuer, spannender Partner sein.

 Allerdings kann auch die Rechenleistung der Google-Server die Probleme der Lebenswissenschaften nicht schlagartig lösen. Neue Erkenntnisse liefern in der Medizin zwar Antworten auf Verständnisfragen. Vor allem aber werfen sie neue Fragen auf. Deshalb ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Calico in der Lebenszeit seiner Gründer tatsächlich in der Lage sein wird, die Lebenserwartung der heute 20-Jährigen um hundert Jahre zu erhöhen.

 Für die Menschheit dürfte es trotzdem nicht das Schlechteste sein, wenn ein Milliardenkonzern, der gern nach dem Unmöglichen strebt, die behäbige medizinische Forschung auf Start-up-Tempo beschleunigt. Im schlechtesten Fall versenkt Google ein paar Milliarden, im besten Fall verschafft die Vermessenheit des Suchmaschinisten kranken Menschen irgendwann Linderung.

Ich habe die Calico-Fakten einem Spiegel-Artikel entnommen, dessen Mitarbeiter in der von Politikern und Konzernen getragenen freien Marktwirtschaft mit den ständigen Anstrengungen nach indusriellem Wachstum und seinen oftmals verbrecherischen Börsenspekulationen verhaftet sind. Daran ändert auch gesellschaftliche Scheinkritik wenig. Folglich müssen sie Bestrebungen wie die von Calico und erst recht von Dr. Audrey de Grey voll Skepsis und indirekt als Spinnerei, wenn auch nicht ganz unnütze, betrachten. In einer Welt mit unbegrenzter oder zumindest stark verlängerter Lebenserwartung muss der sich ohnehin selbst zerstörende Kapitalismus der freien Marktwirtschaft überwunden werden. In diesem Zusammenhang sollte jedem  Politiker das Buch von Harald Welzer: Selbst Denken. - Eine Anleitung zum Widerstand als Pflichtlektüre vorgeschrieben werden.

 

18. Aug, 2015

Mit der Firma Calico will Google die behäbige medizinische Forschung auf Start-up-Tempo beschleunigen. Ultimatives Ziel: das menschliche Leben verlängern, vielleicht für die Ewigkeit. Was der Suchmaschinist plant - und wie seine Chancen stehen.

 Hamburg - 3000 Jahre vor Christus suchte König Gilgamesch nach einer magischen Pflanze, die ihm ewiges Leben beschert. Im 13. Jahrhundert schrieb der britische Philosoph Roger Bacon, der Atem männlicher Jungfrauen könne den Prozess des Alterns verlangsamen. Die Firma Alcor indes hat inzwischen mehr als 100 Leichen eingefroren, in der Hoffnung, sie bei voller Gesundheit wiederherstellen zu können, wenn die Wissenschaft weiter ist.

 Das Streben nach langem Leben, der Traum von der Unsterblichkeit, ist wohl so alt wie die Menschheit. Für die Forschung ist er die Machbarkeitsgrenze, für Unternehmer der größte denkbare potentielle Massenmarkt. Wer Produkte gegen das Altern verkauft, hat so ziemlich jeden als Kunden, der morgens aufsteht und sich des Lebens erfreut.

 Millionen von Menschen erliegen den falschen Hautglättungsverheißungen der Anti-Aging-Industrie oder den Betrugsversuchen dubioser Firmen, die - gegen entsprechende Bezahlung - versprechen, mit selbstgespritzten Stammzellen so ziemlich jede Krankheit zu heilen.

Nun aber will ein neuer Konzern mitmischen und das Rätsel ewigen Lebens mit mathematischer Kühle lösen. Google , der Suchmaschinenkonzern, sucht nach dem Algorithmus der Unsterblichkeit. Nicht weit von seinem Hauptquartier in Mountain View, Kalifornien, hat der IT-Riese die Firma Calico gegründet. Deren Boss, Art Levinson, Ex-Chef des Biotechnologiekonzerns Genentech, bekommt dafür eine unbestimmte Summe aus Googles Milliarden-Schatztruhe und ein kleines Team.

Können Daten Krebs heilen?

Das klingt zunächst wie ein Hirngespinst à la Fahrstuhl zum Mond, auch der wird gerüchtehalber in Googles Geheimlaboren gebaut. Tatsächlich wagt Google einen rationalen Vorstoß in einen Zukunftsmarkt. 2012 wurde der Markt für sogenannte regenerative Medizin auf gut 1,6 Milliarden Dollar geschätzt; bis 2025 könnte sich sein Volumen einigen Analysten zufolge mehr als verzehnfachen. Denn die Forschung nähert sich dem Thema Langlebigkeit inzwischen nicht mehr nur mit Esoterik

Das Stichwort lautet Big Data: die Suche nach bislang verborgenen Zusammenhängen und Mustern durch die systematische Auswertung gigantischer unstrukturierter Datenmengen. Manche Fondsmanager, sogenannte Quants, treffen so milliardenschwere Kaufentscheidungen. Warum also, sowohl die Google-Logik, sollte im Universum medizinischer Daten nicht auch die Formel für die Krebsheilung verborgen sein? Zumal schon jetzt viele Anwendungen des Unternehmens auf diesem Prinzip fußen.

 

Google-Chef Sergey Brin hat erst kürzlich einige Millionen in das Start-up 23andMe investiert, das eine Datenbank für Genome erstellt. Glaubt man dem IT-Blog "TechCrunch" und dem "Time Magazine", das mit Brin exklusiv über Calico gesprochen hat ("Google vs. Death"), sollen Levinson und sein Team mit dem mächtigen Serverpark des Suchmaschinenkonzerns womöglich die Datenbestände der Alterskrankheiten Forschung neu durchleuchten. Im Silicon Valley, wo Google residiert, ist die Biotechnologiebranche neben IT und erneuerbaren Energien seit Jahren das dritte große Betätigungsfeld der Wagniskapitalgeber. Levinsons Ex-Firma Genentech, heute eine Roche-Tochter, hat diese Branche in den siebziger Jahren mitgegründet. Als Mitglied des Genentech Scientific Research Board hat Levinson einen guten Überblick über vielversprechende Ideen in diesem Sektor.

Das Leben um Jahrzehnte verlängern

Morgen beende ich dieses Thema mit der Gretchfrage: Wieso altern wir? Wie ist Eure Meinung zu meinem Wunschtraum? Bitte diskutiert in meinem Gästebuch.

 

17. Aug, 2015

Wollen sie ewig leben? Vielleicht wird man sich irgendwann dieser Frage stellen müssen. Eventuell werden heute Menschen geboren, die das ewige Leben noch vor sich haben. Wenn es nach Biorgerontologen Dr. Aubrey de Grey geht, der in Cambride forscht,trifft dieses Gedankenspiel schon zu: Ewiges Leben oder zumindest den eigenen 1000sten Geburtstag erleben zu können, ist keine Utopie! Er ist nämlich der Meinung, dass Altern eine behandelbare Krankheit sei. Eine kühne These, an die ich pesönlich schon lange glaube. Er selbst ist sogar in der Lage, einen eigenen Forschungspreis zu vergeben, den von ihm initiierten Methusala Mouse Prize. Der ist derzeit mit 4,2 Millionen US- Dollar der höchstdotierte Wissenschaftspreis der Welt! Dr. Greys Ziel ist es, Störungen so frühzeitig zu bekämpfen, dass es gar nicht erst zum Ausbruch von Krankheiten kommt. Das deckt sich perfekt mit meiner Meinung, dass man zum Arzt gehen sollte, um nicht krank zu werden und nicht erst dann, wenn man krank ist. Somit wäre sein künftiges Anti-Aging- Programm sogar billiger als das heutige Gesundheitssystem. Was so unglaublich klingt, könnte bis zum Jahre 2045  wahr werden.  " Radical Life- Extension" heißt dieser Forschungsansatz international und radikales Anti-Aging wird er bei uns genannt. Für mich, einen der größten Anhänger seines Weges, könnte die Zeit etwas knapp werden, falls ich noch davon profitieren will. Ich wäre dann für jetzige Verhältnisse sehr seltenen 110 Jahre. Allerdings kann ich die nächsten 30 Jahre überbrücken mit einer Methode, über die auf diesem Blog als Nächstes berichtet werden soll.

Morgen beende ich dieses Thema mit der Frage: Warum altern wir? Eine Diskussion über meinen Wunschtraum wäre für mich sehr interssant. Bitte äußert Euch in meinem Gästebuch darüber.