Probleme, die mich beschäftigen

7. Okt, 2018

Blog beginnt am 11. August 2015 mit Beiträgen um Lebensverlängerung. Bei Interesse an diesem Themenkreis nach unten einsehen

22. Mrz, 2018

Dieser Beitrag ist eine passende Ergänzung zu den beiden vorherigen Beiträgen. Er zeigt die Verlogenheit in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, wo der Profit bringende Gewinn  und die Börsenkurse wichtiger als alle gesundheitlichen und sozialen Belange sind.  Was für eine Heuchelei nur Spitzensportler an den Pranger zu stellen

 Mit Drogen pimpen Manager ihr Gehirn

Der Drang zur Selbstoptimierung erreicht das Gehirn. Immer mehr Leistungsträger nehmen Pharmazeutik zur Leistungssteigerung.

 

Pharmazeutische Möglichkeiten der Selbstoptimierung

Das sogenannte Neuro Enhancement ist ein gigantisches Versprechen mit völlig ungeklärten Nebenwirkungen.

(Foto: dpa)

Als die Blicke der Kollegen sich verändern, bemerkt er, dass nicht alles in seinem Sinne läuft. Der Mann ist Ende 40, er hat lange in einer Mailänder Bank gearbeitet. Und er hat sie geliebt, diese Blicke, wenn er mal wieder in unglaublicher Zeit unglaubliche Dinge weggearbeitet hatte. Wenn er auch nach zwölf Stunden noch in der Lage war, sich auf letzte Details in einem Zahlenwerk zu konzentrieren. Wenn er sich Dinge einprägen konnte, vor denen die anderen kapitulierten.

„Aber dann“, sagt der Mann, der in der folgenden Stunde viel berichten wird, aber seinen Namen nicht öffentlich machen möchte, „änderte sich irgendwann irgendwas in diesen Blicken. Aus der Bewunderung wurde Befremden.“

Als der Mann in einem lichten Moment seine Gegenüber nach diesem Befremden fragte, irritierten ihn die Antworten. „Launisch.“ „Roboterhaft.“ „Maskiert.“ So sahen die anderen ihn plötzlich, der sich selbst für leistungsstark, fokussiert, brillant gehalten hatte. Dafür hatte er das Zeug ja genommen. Modafinil.

„Es half am Anfang dabei, dass ich mich sammle, dass ich gleichzeitig angespannt und ruhig war“, sagt der Mann. „Und als ich sah, dass ich damit mit meinen Sachen besser und schneller vorankam, hab ich es eben häufiger genommen. Es schien, als habe ich an mein Hirn eine zusätzliche Festplatte angebaut.“ Nur dass diese Festplatte einige Nebenwirkungen hatte und sich irgendwann abnutzte. So schildert er es jedenfalls. Und bringt damit ein Dilemma auf den Punkt, das sich in Vorstandsetagen wie Büros gleichermaßen ausbreitet: Getrieben von Leistungsdruck und Selbstoptimierungsparadigma versuchen Manager, Arbeitnehmer und Leistungsträger in immer größerem Ausmaß, nach ihren Körpern nun die Leistungsfähigkeit ihrer Gehirne zu optimieren. Das sogenannte Neuro Enhancement ist Trend wie klinischer Befund gleichermaßen; ein gigantisches Versprechen mit völlig ungeklärten Nebenwirkungen. Und so lange technologische Erweiterungen des Gehirns, wie sie etwa Facebook-Chef Marc Zuckerberg, Google-Vordenker Ray Kurzweil oder Multi-Unternehmer Elon Musk für die nächsten Jahre versprochen haben, noch auf sich warten lassen, greifen immer mehr Menschen zu pharmazeutischen Möglichkeiten der Selbstoptimierung. Mit ungeahnten Folgen.

 

Leistung, die Leiden schafft

Einfach bei sich zu bleiben, das ist nicht das größte Talent des Menschen. Archäologische Funde aus der Zeit um 2000 vor Christus belegen, dass wir schon lange auf der Suche nach der eigenen Transzendenz sind. Bei einer Ausgrabung in Argentinien entdeckten Forscher kleine Pfeifen, die aus ausgehöhlten Pumaknochen geschnitzt und mit Samenresten des Cohoba- oder Yopo-Baums (Anadenanthera peregrina) gefüllt waren. Diese Samen der Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler enthalten das Halluzinogen DMT (Dimethyltryptamin)                                                                 Bei Genuss tritt man für etwa fünfzehn Minuten in einen Zustand der Bewusstseinsveränderung über, begleitet von Halluzinationen, erotischen Ekstasen oder Flugerlebnissen. Im ungünstigen Falle einer zu hohen Dosierung entstehen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen und am nächsten Tag ein schnöder Kater. Offenbar waren Menschen sehr früh so findig, die pulverisierten Samen in einer Pfeife zu verdampfen und sich den Rauch zu Kopf steigen zu lassen. Yopo als frühbronzezeitlicher Vorläufer eines Joints.

Über sich hinauszuwachsen, die Grenzen der eigenen Sinneserfahrungen zu überschreiten, dafür haben Menschen oft sogar ihr Leben riskiert. Viele Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass ein Forscher- und Erkenntnisdrang Ursache für gefährliche Selbstversuche war. Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, beschreibt seine Experimente mit dem starken Halluzinogen als unglaubliches Erlebnis mit fantastischen Bildern und einem kaleidoskopartigen Farbenspiel: „Ich war mir bewusst, dass der neue Wirkstoff LSD mit derartigen Eigenschaften in der Pharmakologie, in der Neurologie und ganz besonders in der Psychiatrie von Nutzen sein müsse.“

Deutlicher Anstieg des Medikamentenmissbrauchs

Der britische Schriftsteller Aldous Huxley experimentierte in den Fünfzigerjahren mit Drogen, vor allem mit LSD, um sich in die Tief- und Abgründe des Menschen zu versenken. Ihn trieben neben einem draufgängerischen Experimentiergeist erkenntnisphilosophische Fragen um: „Wie können geistig Gesunde je erfahren, was für ein Gefühl es eigentlich ist, wahnsinnig zu sein? Oder wie können wir, wenn wir nicht eben ein Visionär, ein Medium oder ein musikalisches Genie sind, je in die Welten gelangen, in denen Blake, Swedenborg, Johann Sebastian Bach sich bewegten?“

Es muss um das Jahr 2010 herum gewesen sein, dass die ersten Berichte über den zunehmenden Einsatz von Medikamenten zur Leistungssteigerung in Prüfungsphasen oder auch im Arbeitsalltag durchs Internet geisterten. Es gibt kaum offizielle Zahlen über den Medikamentenmissbrauch zur Leistungssteigerung. Aber dass er stattfindet, ist seit Jahren kein Geheimnis mehr. An der Harvard University schwirrte 2010 die (natürlich nie verifizierte) Zahl von 80 Prozent der Studierenden herum, die in Prüfungszeiten das Medikament Ritalin zu sich nähmen. Ritalin ist der bekannteste Markenname für Methylphenidat, bei dem es sich um ein Amphetaminderivat handelt. Das Medikament wird zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität gebraucht. Oder eben missbraucht zur Bekämpfung von Müdigkeit und Schlaf in Belastungsphasen.

Einige Statistiken zeigen, dass der Gebrauch des gängigsten Medikaments zur geistigen Leistungssteigerung erheblich zugenommen hat. Nach Angaben des Suchtkontrollrats der Vereinten Nationen ist die Zahl der täglichen Dosen von Methylphenidat weltweit von etwa 50 Millionen im Jahre 1990 auf fast 2,5 Milliarden in 2013 angestiegen. Die erste Verbreitungswelle ist für den Beginn der Neunzigerjahre verzeichnet. So war die weltweite Nutzung 1994 fünf Mal so hoch wie 1980, ein wesentlicher Teil davon entfiel (und entfällt auch heute noch) auf den US-amerikanischen Markt. Aber auch in einigen europäischen Ländern, darunter Deutschland, ging die Kurve seit Beginn der Neunzigerjahre steil nach oben.

Ähnlich wirken auch Amphetamine, die ebenfalls zur Therapie von Aufmerksamkeits- oder Hyperaktivitätsstörungen verschrieben werden. Amphetamine regen aktiv die Ausschüttung von Neurotransmittern an. Die höhere Konzentration von Botenstoffen versetzt auch bei diesem Medikament die Nervenzellen in Alarmbereitschaft, so dass man sich besser konzentrieren kann. Es steigert das Selbstwertgefühl und führt zu einem euphorischen Empfinden. Das in den USA gängigste Medikament ist Adderall, das beinahe zur Legende im Missbrauch von Medikamenten zur Leistungssteigerung geworden ist.

Mode-Doping des Managements

Ritalin und Adderall ersticken die Impulsivität und sind deshalb in der Therapie von ADHS-Erkrankungen sinnvoll und effektiv einsetzbar. Gesunde Menschen können mit dem Stoff einen ausgeprägten Fokus entwickeln: keine Ablenkung mehr, kein Abschweifen zu anderen, weniger fordernden Tätigkeiten, kein Prokrastinieren. Acht Stunden am Stück ohne Pause pauken? Kein Problem. Die Nacht hindurch lernen und die nächste auch? Kein Problem. Überstunden kloppen bis tief in die Nacht, um ein Projekt nach dem anderen abzuarbeiten? Auch kein Problem. Das klingt für viele offenbar reizvoll. Nicht nur an amerikanischen Elite-Universitäten, sondern auch in deutschen Büros. Eine Studie der DAK hat für Deutschland 2015 ermittelt, dass fast drei Millionen Menschen schon einmal stimulierende Medikamente genommen haben, um im Job fitter zu sein oder Stress am Arbeitsplatz auszuhalten.

Das Gehirn auf Ninja-Niveau boosten

Seit einigen Jahren ist neben Ritalin ein anderes Medikament zur Leistungssteigerung in Gebrauch. Modafinil, bekannt auch als Vigil oder Provigil, wird zur Bekämpfung der Schlafkrankheit Narkolepsie eingesetzt. Bei Menschen, die nicht unter der Krankheit leiden, kann der Stoff stimulierend wirken, wach machen und die Konzentration fördern. Ein Mittel gegen Schlafkrankheit soll das Gehirn auf Ninja-Niveau boosten. Nächtelang durchzuarbeiten, das klappt für manch einen auch mit Modafinil hervorragend, wie sich in vielen Internetforen ausgiebig nachlesen lässt. Das Medikament wirkt anders als Ritalin. Es soll nicht zu vergleichbarer zu sozialer Abstumpfung führen und auch kreative Arbeiten am Fließband möglich machen. Wie es genau wirkt, ist allerdings nicht in allen Details geklärt. Deshalb ist mit Vorsicht zu genießen, wenn die Suchtgefahr bei Modafinil derzeit geringer eingeschätzt wird als bei Ritalin. Im Silicon Valley hebt der Trend zur medikamentösen Stimulation und Leistungssteigerung des Gehirns seit einiger Zeit besonders ab, und insbesondere Modafinil gilt als nicht mehr ganz so geheimer Tipp für die richtige Denk- und Arbeitshaltung. Die amerikanische Website „TechCrunch“ erklärte Modafinil schon 2008 zur „Pille der Wahl für Unternehmer“. Das klingt nach Einsatz, Entschiedenheit und Erfolg. Der letzte Schrei im Valley aber ist das „Microdosing“ von LSD. Eine Minidosis von etwa zehn Mikrogramm alle paar Tage soll helfen, sich besser zu konzentrieren und konsequent zu vernetzen. Das ist etwa ein Zehntel der Menge, die man für einen veritablen Trip braucht. Das ist die neue Normalität der Selbstoptimierer.

Die Gefahren des Hirn-Dopings

Curt Diehm kennt die Tricks der Leistungselite. Der Internist ist ärztlicher Direktor der Max-Grundig-Klinik in Bühl bei Baden-Baden, die sich auf die Behandlung von Führungskräften spezialisiert hat. Immer wieder hat er mit Patienten zu tun, die mit Managerdrogen ihre Leistungsfähigkeit steigern wollen. „Es ist allerdings schwierig, das in der Anamnese aus ihnen herauszukriegen. Die Patienten haben Angst sich zu outen“, sagt er. Schuld sei der enorme Druck in den Unternehmen. Der Internist warnt vor den Nebenwirkungen von Neuro-Enhancern wie Ritalin und Modafinil: „Durch Ritalin ändert sich die Persönlichkeit.“ Affekte würden häufig unterdrückt, die Kommunikationsfähigkeit werde eingeschränkt, die Kreativität verschlechtere sich markant. Zu den Nebenwirkungen zählen Müdigkeit, Schwindel, Sehstörungen oder gar depressive Episoden. Außerdem kann Ritalin abhängig machen.

Genau wie Modafinil, das Diehm als „ideales Aufputschmittel“ beschreibt, das „weniger in der Party-Welt als in der Arbeitswelt“ missbraucht wird. Der Mediziner warnt davor, dass Modafinil den Schlafrhythmus völlig durcheinander bringe. Patienten berichten von Panikattacken, Angstzuständen, manischen Störungen und Halluzinationen, bei einigen verbunden mit Suizidgedanken. Diehms Fazit: Finger weg. „Solche Präparate bilden in keinem Fall eine Alternative zu einem gesunden und ausgewogenen Lebensstil.“ Gegen Stress empfiehlt er Power-Naps am Mittag und autogenes Training. „Dazu sind aber wenige Manager bereit.“

Der Mailänder Banker hat übrigens mit den Pharmazeutika aufgehört. Und mit dem Bankertum gleich auch. Er hat irgendwo in Italien einen Landwirtschaftsbetrieb übernommen und arbeitet dort an seinem eigenen kleinen Werk. „Das ist auch bewusstseinserweiternd“, sagt er. „Nur ganz anders.“

 

 

 

 

 

 

 

 

26. Jul, 2016

 

In meinem Beitrag vom 2. September 2015 habe ich mich sehr ausführlich kontrovers zum Thema Doping geäußert. Leider ist ausgerechnet unmittelbar vor Beginn der Olympiade eine neue Dimension ins Spiel gekommen, wodurch viele russische Sportler – insbesondere alle Leichtathleten- um die Früchte ihres jahrelangen Trainings gebracht werden, weil sie gesperrt wurden oder noch werden. Der unermüdlich Hajo Seppelt hat sich wieder einmal seine Brötchen bei der ARD verdient und ziemlich einseitig in eine Richtung forschend  ein Filmwerk erstellt, das angeblich unwiderlegbar nachweist, wie das russische Sportministerium mit Unterstützung des Geheimdienstes, systematisch Dopingproben verschwinden ließ oder verfälschte. In einem Ausmaß, welches an das einstige Staatsdoping in der DDR erinnert. Das ist sicher verdammenswert und gehört mehr in die Rubrik Mafia-Methoden. Zudem ist eine derartig kriminelle Handlungsweise sehr ungeschickte, denn irgendwann müssen solche Vergehen unweigerlich ruchbar werden. Soweit so schlecht, allerdings haben vorsichtig geschätzt auch auf dieser Olympiade in Rio  vermutlich mindestens 50 Prozent der Athleten aus allen fünf Kontinenten in irgendeiner Form leistungssteigernde Mittel zu sich genommen. Nicht einmal alle deutschen Sportler dürften trotz des besonders strengen Kontrollsystems  sauber sein. Warum hat aber ausgerechnet Russland sich solcher illegalen Methoden bedient? Ein führender Sportfunktionär, der nicht für den Ausschluss der gesamten russischen Mannschaft plädiert, gibt folgende knappe einleuchtende Erklärung, der ich nichts hinzuzusetzen habe:                                                                                                                                        

Der russische Sport dürfte beim Rühren in den Doping-Hexenkesseln, um es wieder etwas frivol zu sagen, ein ähnliches Problem haben wie in der Wirtschaft: Ein technologischer Rückstand, der seit den späten 1980er Jahren immer grösser wird und mit zum Untergang der Sowjetunion beigetragen hat. Die Druiden der westlichen Sportmedizin sind besser. Und so wird beim Bemühen, diesen Rückstand aufzuholen, zu jenen unkonventionellen Mitteln gegriffen (Betrug, Korruption), die Russland heute auch in anderen Lebensbereichen schwer zu schaffen machen. Wladimir Karpow* sagt es so: «Der Sport ist in Russland keine Insel der Seligen. Der Sport hat die gleichen Probleme wie die anderen Bereiche der Gesellschaft auch.»  

 Auch nach dieser neuen Enthüllungskampagne, stehe ich voll zu meinen Ausführungen vom vorigen Jahr:  Ärztlich kontrolliertes Doping zulassen oder Leistungssport, wo nur Medaillen und Finalsiege in Großereignissen zählen, abschaffen und auf hohe Einschaltquoten im Fernsehen verzichten. Begründung dazu in meiner detaillierten Analyse vom 2. September 2015.

Ich würde gern mit Euch darüber diskutieren und bitte um möglichst viele Zuschriften unter "Diskussion zum Blog",  von mir beantwortet werden 

 

 

2. Sep, 2015

Ich bin es aus tiefster Seele leid, bei hohe Quoten bringenden Fernsehübertragungen von sportlichen Weltmeisterschaften nur noch diese verlogenen Dopinglitaneien anhören zu müssen.Wären Medien und Politik wirklich ernsthafte Gegner dieser leistungsfördernden Manipulation, müsste Leistungssport nicht mehr finanziell staatlich gefördert  bzw. nicht mehr darüber berichtet werden. Geht doch in der kapitalistischen Leistungsgesellshaft auch im Alltag des Normalbürgers und erst recht nicht bei Spitzenpolitikern und Topmanagern kaum noch etwas ohne derartige Stimulanzen.

Seit der Homo sapiens seine Kräfte im Wettkampf misst, hat es unzweifelhaft in allen Epochen Doping gegeben. Märchen spiegeln in verschlüsselter Form diese Realität wider. Zaubertränke, Tannkappen, welche die Kräfte vervielfachen oder andere Wundermittel sind unzweifelhaft lediglich eine Umschreibung für Doping. Das lässt sich durch markante Beispiele beweisen:

Dopen hat eine Jahrtausende alte Tradition. Wie überliefert auch bei Olympia. Schon die gefeierten Athleten in der Antike griffen zu leistungssteigernden Mitteln wie Stierhoden und Stierblut über Alkohol bis hin zur Alraunwurzel. (Atropin). Die Berserker der nordischen Mythologie sollen aus dem Pilz Amarita Muscaria (Fliegenpilz) die Droge Bufotenin gewonnen haben,welche angeblich die Steigerung der Kampfeskraft um ein Vielfaches bewirkte. Die Ägypter, Griechen und Römer bauten Mohn an und verwendeten Opium. Den Chinesen war Cannabis bekannt.

Im mittelalterlichen Südamerika war der Gebrauch von Kokain, in der Wirkung ähnlich wie Amphetamine, weit verbereitet. Die Inkas steigerten ihre Leistungen im Laufen mit Matetee und Kaffee. Der Legende nach sollen sie durch den Verzehr von Kokablättern die 1750 Kilometer von ihrer Hauptstadt Cuzco nach Quito (Ekuador) in fünf Tagen bewältigt haben. 350 Kilometer an einem Tag, das schafft allerdings selbst der beste Iron-Man Triathlet nicht.

In der Neuzeit existiert ein " Tarahumara" (Läufer) genannter Stamm der Uto-Azteken in der Sierra Madre im Norden Mexikos. Dort nimmt man noch heute bei bis zu 560 Kilometern langen Läufen, die bis zu 72 Stunden dauern, eine dem Strychnin ähnliche Substanz ein, die aus der Wurzel einer Kakteenart stammt. Damit können die Langstreckenläufer Ermüdungserscheinungen gut überwinden.Dem Athleten wird von seinem Betreuer eine Trinkflasche (Schnelle Pulle)gereicht, deren Inhalt aus Mischungen auf Koffeinbasis oder einem Mix aus alkoholhaltigen Getränken besteht. Bisweilen befinden sich darin auch ätherhaltige Zuckerstücke und Nitroglitzerin, auf dessen gefäßerweiternde Wirkung besonders Sprinter setzen.

Heutzutage sind auch im Alltag des normalen Durchschnittsbürgers Dopingmittel nicht mehr wegzudenken. Ob Männlein oder Weiblein aus den verschiedensten Motiven. Bedenklicherweise stehen unsere Politiker, die sich über sogenannten Betrug im Leistungssport empört entrüsten, dabei nicht abseits. Während aber jedermann in der Gesellschaft ungestraft fast alles schlucken darf, kann dem Spitzenathleten schon der falsche Hustensaft zum Verhängnis werden. Über folgende geflüsterte Frage könnte man ein ganzes Buch schreiben: „ pst, Sie! Heute schon gedopt?“                                                                  

So warnt etwa Klaus Lieb, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Mainz: „In unserer Leistungsgesellschaft haben wir heute nicht nur mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, wir stehen auch unter permanentem Druck, und die Angst vor dem Scheitern wächst. Wer mit chemischen Hilfsmitteln gegensteuert, gerät leicht in eine Suchtspirale." Das provoziert zwangsläufig die Frage:         „Wie wird sich Doping in unserem Alltag weiter ausbreiten – und wo sind die Grenzen, Körper und Geist immer wieder über die Grenzen der Leistungsfähigkeit zu treiben“                                                                                                                                            

Laut einer aktuellen Studie der Universität Mainz sind Studenten besonders freizügig. Jeder Vierte greift im Prüfungsstress zu Leistungsboostern wie hoch dosierten Koffeinpräparaten – Männer häufiger als Frauen, Sportstudenten häufiger als Geisteswissenschaftler. Auch Businessvielflieger bevorzugen die Reiseapotheke mit Sonderausstattung. Frauen helfen dagegen eher der Schönheit nach (High-End-Ampullenkur, Botox), Männer machen die Lance-Armstrong-Nummer. Laut einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts nimmt jeder vierte männliche Fitnessstudiogänger Mittelchen zum Muskelaufbau, etwa Kreatin. Im Bett vertrauen eher Männer den chemischen Lustboostern – aber auch, weil eine überzeugende Lustpille für die Frau noch immer nicht erfunden ist.

 Die Sportwelt und Millionen (zumeist passiver) Sportfans wollen Siege und (wenn möglich) ständig neue Rekorde sehen. Dafür locken Millionen an Gehältern und Prämien, vor allem aber lukrative Werbeeinnahmen. Die Sponsoren ihrerseits hoffen auf weiter wachsenden Konsum und steigende Gewinne, was wiederum sowohl den Aktionären als auch den Finanzministern nur recht sein kann. Dabei läuft hier ein albernes Spiel ab: Ein Mitarbeiter der größten Doping-„Küche“ (in der Nähe Wiens) erklärte vor Kurzem grinsend: „Natürlich wird in nahezu allen Sportarten gedopt, sonst wären die heute geforderten Leistungen völlig unmöglich. Wir müssen bei unseren Mixturen immer neue Wege gehen und sind dabei den Kontrolleuren immer zwei bis fünf Jahre voraus.

Was ist denn der Unterschied, ob sich ein Sportler mit EPO oder Eigenblutdoping zu höheren Leistungen manipuliert, oder sich Banker, Manager und Politiker mit Kokain, Alkohol oder Tabletten dopen? Die jeweiligen „Kollegen“ wissen ganz genau, was „läuft“, und keiner würde es wagen, den Konkurrenten dafür hinzuhängen. Nur wer es übertreibt, wer allzu offensichtlich unbotmäßig ins Rampenlicht drängt (oder sich einfach als zu blöde erweist), wird ausgegrenzt, öffentlich „geoutet“ und zum „Abschuss“ freigegeben.                                                                                                    Ist dieser Boom zur leistungssteigernden Pille, der in Zukunft im gesteigerten Maße normal sein dürfte, den bestehenden Gesetzen nach vollkommen legal? Es gibt eine große Grauzone. Vor allem im Internet floriert der freie Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten: Präparate gegen Alzheimer, Parkinson und Narkolepsie setzen Dopamin im Körper frei, bei Gesunden wird dadurch die Hirnfunktion beschleunigt. Auch das Anti-Zappel-Medikament Ritalin wirkt leistungssteigernd. 

So betrachtet wird Doping im Spitzensport erst recht nicht aufhören und zu verhindern sein. Umso weniger, weil in den meisten Ländern, die Kontrollen sehr nachlässig gehandhabt werden, denn man will seine athletischen Nationalhelden nicht wirklich erwischen. Da es zudem um sehr viel Geld geht, sind die Macher in geheimen Laboren den täppischen Bemühungen der Wada (World Anti- Doping Agency) stets um mindestens zwei  Schritte voraus. Vermutlich dürften in den Massen anlockenden Sportarten mindestens 50% aller Aktiven unterschiedliche leistungsfördernde Mittel verabreicht werden. Erwischt werden nur die Dummen. Ein noch größerer Unsinn ist es, Blutbanken anzulegen, um dann nach 20 Jahren Titel abzuerkennen und Medaillen nachträglich Nächstplatzierten zu verleihen. Das interessiert vermutlich kein Schwein,und der solchermaßen Beglückte dürfte darüber mehr Ärger als Freude verspüren.

Ergo will man nicht auf riesige Einschaltquoten versprechende sportliche Wettbewerbe der heutigen Gladiatoren verzichten und den Athleten trotzdem faire Auseinandersetzungsmöglichkeiten bieten, dann gibt es eigentlich nur eine Lösung:  Das Doping wird unter ärztlicher Kontrolle legal erlaubt!!!

                                                                                      

Unter Beachtung einiger wichtiger Spielregeln:

 

  1. Nur für Erwachsene, die es freiwillig tun und für sich selbst verantwortlich sind.
  2. Heimliches Verabreichen von Doping ohne Wissen und Zustimmung des betroffenen Sportlers ist strafbar.
  3. Minderjährige sind davon ausgenommen. Gegen derartigen Missbrauch werden strikte Kontrollmaßnahmen beibehalten und dagegen verstoßende Funktionäre gesetzlich zu hohen Haftstrafen wegen Körperverletzung verurteilt.                                                                                                

 Ein Vorschlag, der von Experten detaillierter ausgearbeitet und verwirklicht werden könnte. Allerdings wird das vermutlich nie passieren, sondern ein Sturm der Entrüstung ausbrechen. In zahlreichen Internetforen, die sich mit diesem wieder angeheizten Thema befassen, geifern am stärksten Zeitgenossen, denen jegliche sportliche Betätigung fremd sein dürfte, meinen solche Laien doch, der Leistungssportler brauche sich nur eine Pille einzuwerfen oder sein Blut zu manipulieren und dann würde er Spitzenleistungen vollbringen. Zaubermittel, die das bewirken, existieren tatsächlich nur in Märchen. In der rauen Praxis hilft Doping in erster Linie, das unmenschlich harte Training durchzustehen, um die Normen zu erfüllen, welche den Athleten von Funktionären und Förderungsmittel bewilligenden Politikern abgefordert werden.                                                                                         Hervorgetan als Dopingjäger haben sich der Sportjournalist Hajo Seppelt und der Professor für Zell-und Molekularbiologie Werner Wilhelm Franke. Die Liste ihrer Verdienste, aber auch ihrer Prozesse ist lang. Aktiven Sport haben aber offensichtlich beide nicht betrieben, zumindest konnte ich im Internet keinerlei Hinweise darauf finden. Während Hajo Seppelt wenigstens einige Semester Sport ohne Abschluss studiert hat und bis 2006 Reporter für Schwimmübertragungen bei der ARD gewesen ist, erweckt der schon 1940 geborene Professor auf mich den Eindruck, Sport regelrecht zu hassen. Immerhin ist er mit der früheren guten DDR-Diskuswerferin und Kugelstoßerin Brigitte Berendonk verheiratet. Laut offizieller Lesart half er ihr bei der Beschaffung von Quellen für das 1991 veröffentlichte Buch „ Doping-Dokumente“, in dem sie das langjährige systematische Doping im Leistungssport der DDR aufdeckt.

 Ich kann und will mir nicht anmaßen, das Wirken der beiden Antidopingapostel zu bewerten, weil ich wenig Lust verspüre, mich intensiv damit zu befassen. Persönlich nehme ich kaum eine Kopfschmerztablette. Das sollten aber die Sportler tun, welche leistungsfördernde Stimulanzen benutzen, um abschätzen zu können, ob sie mögliche gesundheitliche Risiken tragen wollen. Da jedoch in der gesellschaftlichen Konstellation freier kapitalistischer Marktwirtschaft sich trotzdem kaum etwas ändern wird, formuliere ich abschließend nochmals meinen provozierenden Lösungsvorschlag: 

Doping unter Kontrolle wird legal!                                                                              

Sicherlich würden so die gefährlichsten Auswüchse gemildert oder gar vermieden werden und ich müsste nicht bei jeder überragenden Leistung mit Verdächtigungen genervt werden.

                                                                     

 

 

 

                                

 

19. Aug, 2015

 

Proteome, Mikrobiom, Googleom

Die spannende Frage ist, wie und wieso wir altern. Welche Vorgänge in den Zellen führen dazu, dass wir sterben? Verschiedene Theorien konkurrieren miteinander. Nimmt die DNA in unseren Zellen im Laufe des Lebens so großen Schaden, dass die Reparaturmechanismen irgendwann nicht mehr nachkommen? Nach dieser Theorie führen Schäden zu Krankheiten - und diese zum Tod.

Oder sind doch die Telomere schuld an unseren Abnutzungserscheinungen? So bezeichnen Naturwissenschaftler die Enden der Chromosomen, die immer kürzer werden, je häufiger eine Zelle sich geteilt hat. Sind sie zu kurz, teilt die Zelle sich nicht mehr - Ende.

 

Bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, wieso Menschen altern und überhaupt sterben müssen, könnten Levinson - er hat in Biochemie promoviert, seine wissenschaftliche Arbeit ist vielfach ausgezeichnet worden - und Google sich tatsächlich einmalig ergänzen. Gelingt es, ein fähiges Team zu begeistern, das Zugriff auf das Rechen-Know-how und die Serverkapazitäten von Google hat, könnte das die Entschlüsselung des menschlichen Proteoms - der menschlichen Eiweiße - ebenso vorantreiben wie die Erforschung des Mikrobioms, also all jenen Organismen, die auf oder im Menschen leben. Beide Projekte werden schon jetzt betrieben, Calico könnte ein neuer, spannender Partner sein.

 Allerdings kann auch die Rechenleistung der Google-Server die Probleme der Lebenswissenschaften nicht schlagartig lösen. Neue Erkenntnisse liefern in der Medizin zwar Antworten auf Verständnisfragen. Vor allem aber werfen sie neue Fragen auf. Deshalb ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Calico in der Lebenszeit seiner Gründer tatsächlich in der Lage sein wird, die Lebenserwartung der heute 20-Jährigen um hundert Jahre zu erhöhen.

 Für die Menschheit dürfte es trotzdem nicht das Schlechteste sein, wenn ein Milliardenkonzern, der gern nach dem Unmöglichen strebt, die behäbige medizinische Forschung auf Start-up-Tempo beschleunigt. Im schlechtesten Fall versenkt Google ein paar Milliarden, im besten Fall verschafft die Vermessenheit des Suchmaschinisten kranken Menschen irgendwann Linderung.

Ich habe die Calico-Fakten einem Spiegel-Artikel entnommen, dessen Mitarbeiter in der von Politikern und Konzernen getragenen freien Marktwirtschaft mit den ständigen Anstrengungen nach indusriellem Wachstum und seinen oftmals verbrecherischen Börsenspekulationen verhaftet sind. Daran ändert auch gesellschaftliche Scheinkritik wenig. Folglich müssen sie Bestrebungen wie die von Calico und erst recht von Dr. Audrey de Grey voll Skepsis und indirekt als Spinnerei, wenn auch nicht ganz unnütze, betrachten. In einer Welt mit unbegrenzter oder zumindest stark verlängerter Lebenserwartung muss der sich ohnehin selbst zerstörende Kapitalismus der freien Marktwirtschaft überwunden werden. In diesem Zusammenhang sollte jedem  Politiker das Buch von Harald Welzer: Selbst Denken. - Eine Anleitung zum Widerstand als Pflichtlektüre vorgeschrieben werden.