2. Sep, 2015

Doping Hysterie in Deutschland

Ich bin es aus tiefster Seele leid, bei hohe Quoten bringenden Fernsehübertragungen von sportlichen Weltmeisterschaften nur noch diese verlogenen Dopinglitaneien anhören zu müssen.Wären Medien und Politik wirklich ernsthafte Gegner dieser leistungsfördernden Manipulation, müsste Leistungssport nicht mehr finanziell staatlich gefördert  bzw. nicht mehr darüber berichtet werden. Geht doch in der kapitalistischen Leistungsgesellshaft auch im Alltag des Normalbürgers und erst recht nicht bei Spitzenpolitikern und Topmanagern kaum noch etwas ohne derartige Stimulanzen.

Seit der Homo sapiens seine Kräfte im Wettkampf misst, hat es unzweifelhaft in allen Epochen Doping gegeben. Märchen spiegeln in verschlüsselter Form diese Realität wider. Zaubertränke, Tannkappen, welche die Kräfte vervielfachen oder andere Wundermittel sind unzweifelhaft lediglich eine Umschreibung für Doping. Das lässt sich durch markante Beispiele beweisen:

Dopen hat eine Jahrtausende alte Tradition. Wie überliefert auch bei Olympia. Schon die gefeierten Athleten in der Antike griffen zu leistungssteigernden Mitteln wie Stierhoden und Stierblut über Alkohol bis hin zur Alraunwurzel. (Atropin). Die Berserker der nordischen Mythologie sollen aus dem Pilz Amarita Muscaria (Fliegenpilz) die Droge Bufotenin gewonnen haben,welche angeblich die Steigerung der Kampfeskraft um ein Vielfaches bewirkte. Die Ägypter, Griechen und Römer bauten Mohn an und verwendeten Opium. Den Chinesen war Cannabis bekannt.

Im mittelalterlichen Südamerika war der Gebrauch von Kokain, in der Wirkung ähnlich wie Amphetamine, weit verbereitet. Die Inkas steigerten ihre Leistungen im Laufen mit Matetee und Kaffee. Der Legende nach sollen sie durch den Verzehr von Kokablättern die 1750 Kilometer von ihrer Hauptstadt Cuzco nach Quito (Ekuador) in fünf Tagen bewältigt haben. 350 Kilometer an einem Tag, das schafft allerdings selbst der beste Iron-Man Triathlet nicht.

In der Neuzeit existiert ein " Tarahumara" (Läufer) genannter Stamm der Uto-Azteken in der Sierra Madre im Norden Mexikos. Dort nimmt man noch heute bei bis zu 560 Kilometern langen Läufen, die bis zu 72 Stunden dauern, eine dem Strychnin ähnliche Substanz ein, die aus der Wurzel einer Kakteenart stammt. Damit können die Langstreckenläufer Ermüdungserscheinungen gut überwinden.Dem Athleten wird von seinem Betreuer eine Trinkflasche (Schnelle Pulle)gereicht, deren Inhalt aus Mischungen auf Koffeinbasis oder einem Mix aus alkoholhaltigen Getränken besteht. Bisweilen befinden sich darin auch ätherhaltige Zuckerstücke und Nitroglitzerin, auf dessen gefäßerweiternde Wirkung besonders Sprinter setzen.

Heutzutage sind auch im Alltag des normalen Durchschnittsbürgers Dopingmittel nicht mehr wegzudenken. Ob Männlein oder Weiblein aus den verschiedensten Motiven. Bedenklicherweise stehen unsere Politiker, die sich über sogenannten Betrug im Leistungssport empört entrüsten, dabei nicht abseits. Während aber jedermann in der Gesellschaft ungestraft fast alles schlucken darf, kann dem Spitzenathleten schon der falsche Hustensaft zum Verhängnis werden. Über folgende geflüsterte Frage könnte man ein ganzes Buch schreiben: „ pst, Sie! Heute schon gedopt?“                                                                  

So warnt etwa Klaus Lieb, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Mainz: „In unserer Leistungsgesellschaft haben wir heute nicht nur mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, wir stehen auch unter permanentem Druck, und die Angst vor dem Scheitern wächst. Wer mit chemischen Hilfsmitteln gegensteuert, gerät leicht in eine Suchtspirale." Das provoziert zwangsläufig die Frage:         „Wie wird sich Doping in unserem Alltag weiter ausbreiten – und wo sind die Grenzen, Körper und Geist immer wieder über die Grenzen der Leistungsfähigkeit zu treiben“                                                                                                                                            

Laut einer aktuellen Studie der Universität Mainz sind Studenten besonders freizügig. Jeder Vierte greift im Prüfungsstress zu Leistungsboostern wie hoch dosierten Koffeinpräparaten – Männer häufiger als Frauen, Sportstudenten häufiger als Geisteswissenschaftler. Auch Businessvielflieger bevorzugen die Reiseapotheke mit Sonderausstattung. Frauen helfen dagegen eher der Schönheit nach (High-End-Ampullenkur, Botox), Männer machen die Lance-Armstrong-Nummer. Laut einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts nimmt jeder vierte männliche Fitnessstudiogänger Mittelchen zum Muskelaufbau, etwa Kreatin. Im Bett vertrauen eher Männer den chemischen Lustboostern – aber auch, weil eine überzeugende Lustpille für die Frau noch immer nicht erfunden ist.

 Die Sportwelt und Millionen (zumeist passiver) Sportfans wollen Siege und (wenn möglich) ständig neue Rekorde sehen. Dafür locken Millionen an Gehältern und Prämien, vor allem aber lukrative Werbeeinnahmen. Die Sponsoren ihrerseits hoffen auf weiter wachsenden Konsum und steigende Gewinne, was wiederum sowohl den Aktionären als auch den Finanzministern nur recht sein kann. Dabei läuft hier ein albernes Spiel ab: Ein Mitarbeiter der größten Doping-„Küche“ (in der Nähe Wiens) erklärte vor Kurzem grinsend: „Natürlich wird in nahezu allen Sportarten gedopt, sonst wären die heute geforderten Leistungen völlig unmöglich. Wir müssen bei unseren Mixturen immer neue Wege gehen und sind dabei den Kontrolleuren immer zwei bis fünf Jahre voraus.

Was ist denn der Unterschied, ob sich ein Sportler mit EPO oder Eigenblutdoping zu höheren Leistungen manipuliert, oder sich Banker, Manager und Politiker mit Kokain, Alkohol oder Tabletten dopen? Die jeweiligen „Kollegen“ wissen ganz genau, was „läuft“, und keiner würde es wagen, den Konkurrenten dafür hinzuhängen. Nur wer es übertreibt, wer allzu offensichtlich unbotmäßig ins Rampenlicht drängt (oder sich einfach als zu blöde erweist), wird ausgegrenzt, öffentlich „geoutet“ und zum „Abschuss“ freigegeben.                                                                                                    Ist dieser Boom zur leistungssteigernden Pille, der in Zukunft im gesteigerten Maße normal sein dürfte, den bestehenden Gesetzen nach vollkommen legal? Es gibt eine große Grauzone. Vor allem im Internet floriert der freie Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten: Präparate gegen Alzheimer, Parkinson und Narkolepsie setzen Dopamin im Körper frei, bei Gesunden wird dadurch die Hirnfunktion beschleunigt. Auch das Anti-Zappel-Medikament Ritalin wirkt leistungssteigernd. 

So betrachtet wird Doping im Spitzensport erst recht nicht aufhören und zu verhindern sein. Umso weniger, weil in den meisten Ländern, die Kontrollen sehr nachlässig gehandhabt werden, denn man will seine athletischen Nationalhelden nicht wirklich erwischen. Da es zudem um sehr viel Geld geht, sind die Macher in geheimen Laboren den täppischen Bemühungen der Wada (World Anti- Doping Agency) stets um mindestens zwei  Schritte voraus. Vermutlich dürften in den Massen anlockenden Sportarten mindestens 50% aller Aktiven unterschiedliche leistungsfördernde Mittel verabreicht werden. Erwischt werden nur die Dummen. Ein noch größerer Unsinn ist es, Blutbanken anzulegen, um dann nach 20 Jahren Titel abzuerkennen und Medaillen nachträglich Nächstplatzierten zu verleihen. Das interessiert vermutlich kein Schwein,und der solchermaßen Beglückte dürfte darüber mehr Ärger als Freude verspüren.

Ergo will man nicht auf riesige Einschaltquoten versprechende sportliche Wettbewerbe der heutigen Gladiatoren verzichten und den Athleten trotzdem faire Auseinandersetzungsmöglichkeiten bieten, dann gibt es eigentlich nur eine Lösung:  Das Doping wird unter ärztlicher Kontrolle legal erlaubt!!!

                                                                                      

Unter Beachtung einiger wichtiger Spielregeln:

 

  1. Nur für Erwachsene, die es freiwillig tun und für sich selbst verantwortlich sind.
  2. Heimliches Verabreichen von Doping ohne Wissen und Zustimmung des betroffenen Sportlers ist strafbar.
  3. Minderjährige sind davon ausgenommen. Gegen derartigen Missbrauch werden strikte Kontrollmaßnahmen beibehalten und dagegen verstoßende Funktionäre gesetzlich zu hohen Haftstrafen wegen Körperverletzung verurteilt.                                                                                                

 Ein Vorschlag, der von Experten detaillierter ausgearbeitet und verwirklicht werden könnte. Allerdings wird das vermutlich nie passieren, sondern ein Sturm der Entrüstung ausbrechen. In zahlreichen Internetforen, die sich mit diesem wieder angeheizten Thema befassen, geifern am stärksten Zeitgenossen, denen jegliche sportliche Betätigung fremd sein dürfte, meinen solche Laien doch, der Leistungssportler brauche sich nur eine Pille einzuwerfen oder sein Blut zu manipulieren und dann würde er Spitzenleistungen vollbringen. Zaubermittel, die das bewirken, existieren tatsächlich nur in Märchen. In der rauen Praxis hilft Doping in erster Linie, das unmenschlich harte Training durchzustehen, um die Normen zu erfüllen, welche den Athleten von Funktionären und Förderungsmittel bewilligenden Politikern abgefordert werden.                                                                                         Hervorgetan als Dopingjäger haben sich der Sportjournalist Hajo Seppelt und der Professor für Zell-und Molekularbiologie Werner Wilhelm Franke. Die Liste ihrer Verdienste, aber auch ihrer Prozesse ist lang. Aktiven Sport haben aber offensichtlich beide nicht betrieben, zumindest konnte ich im Internet keinerlei Hinweise darauf finden. Während Hajo Seppelt wenigstens einige Semester Sport ohne Abschluss studiert hat und bis 2006 Reporter für Schwimmübertragungen bei der ARD gewesen ist, erweckt der schon 1940 geborene Professor auf mich den Eindruck, Sport regelrecht zu hassen. Immerhin ist er mit der früheren guten DDR-Diskuswerferin und Kugelstoßerin Brigitte Berendonk verheiratet. Laut offizieller Lesart half er ihr bei der Beschaffung von Quellen für das 1991 veröffentlichte Buch „ Doping-Dokumente“, in dem sie das langjährige systematische Doping im Leistungssport der DDR aufdeckt.

 Ich kann und will mir nicht anmaßen, das Wirken der beiden Antidopingapostel zu bewerten, weil ich wenig Lust verspüre, mich intensiv damit zu befassen. Persönlich nehme ich kaum eine Kopfschmerztablette. Das sollten aber die Sportler tun, welche leistungsfördernde Stimulanzen benutzen, um abschätzen zu können, ob sie mögliche gesundheitliche Risiken tragen wollen. Da jedoch in der gesellschaftlichen Konstellation freier kapitalistischer Marktwirtschaft sich trotzdem kaum etwas ändern wird, formuliere ich abschließend nochmals meinen provozierenden Lösungsvorschlag: 

Doping unter Kontrolle wird legal!                                                                              

Sicherlich würden so die gefährlichsten Auswüchse gemildert oder gar vermieden werden und ich müsste nicht bei jeder überragenden Leistung mit Verdächtigungen genervt werden.