26. Jul, 2016

Staatsdoping in Russland

 

In meinem Beitrag vom 2. September 2015 habe ich mich sehr ausführlich kontrovers zum Thema Doping geäußert. Leider ist ausgerechnet unmittelbar vor Beginn der Olympiade eine neue Dimension ins Spiel gekommen, wodurch viele russische Sportler – insbesondere alle Leichtathleten- um die Früchte ihres jahrelangen Trainings gebracht werden, weil sie gesperrt wurden oder noch werden. Der unermüdlich Hajo Seppelt hat sich wieder einmal seine Brötchen bei der ARD verdient und ziemlich einseitig in eine Richtung forschend  ein Filmwerk erstellt, das angeblich unwiderlegbar nachweist, wie das russische Sportministerium mit Unterstützung des Geheimdienstes, systematisch Dopingproben verschwinden ließ oder verfälschte. In einem Ausmaß, welches an das einstige Staatsdoping in der DDR erinnert. Das ist sicher verdammenswert und gehört mehr in die Rubrik Mafia-Methoden. Zudem ist eine derartig kriminelle Handlungsweise sehr ungeschickte, denn irgendwann müssen solche Vergehen unweigerlich ruchbar werden. Soweit so schlecht, allerdings haben vorsichtig geschätzt auch auf dieser Olympiade in Rio  vermutlich mindestens 50 Prozent der Athleten aus allen fünf Kontinenten in irgendeiner Form leistungssteigernde Mittel zu sich genommen. Nicht einmal alle deutschen Sportler dürften trotz des besonders strengen Kontrollsystems  sauber sein. Warum hat aber ausgerechnet Russland sich solcher illegalen Methoden bedient? Ein führender Sportfunktionär, der nicht für den Ausschluss der gesamten russischen Mannschaft plädiert, gibt folgende knappe einleuchtende Erklärung, der ich nichts hinzuzusetzen habe:                                                                                                                                        

Der russische Sport dürfte beim Rühren in den Doping-Hexenkesseln, um es wieder etwas frivol zu sagen, ein ähnliches Problem haben wie in der Wirtschaft: Ein technologischer Rückstand, der seit den späten 1980er Jahren immer grösser wird und mit zum Untergang der Sowjetunion beigetragen hat. Die Druiden der westlichen Sportmedizin sind besser. Und so wird beim Bemühen, diesen Rückstand aufzuholen, zu jenen unkonventionellen Mitteln gegriffen (Betrug, Korruption), die Russland heute auch in anderen Lebensbereichen schwer zu schaffen machen. Wladimir Karpow* sagt es so: «Der Sport ist in Russland keine Insel der Seligen. Der Sport hat die gleichen Probleme wie die anderen Bereiche der Gesellschaft auch.»  

 Auch nach dieser neuen Enthüllungskampagne, stehe ich voll zu meinen Ausführungen vom vorigen Jahr:  Ärztlich kontrolliertes Doping zulassen oder Leistungssport, wo nur Medaillen und Finalsiege in Großereignissen zählen, abschaffen und auf hohe Einschaltquoten im Fernsehen verzichten. Begründung dazu in meiner detaillierten Analyse vom 2. September 2015.

Ich würde gern mit Euch darüber diskutieren und bitte um möglichst viele Zuschriften unter "Diskussion zum Blog",  von mir beantwortet werden